Wednesday, May 07, 2008

Nirvana - wir waren da...war gar nicht so toll.

die rigorose pressemachinerie hatte zumindest bei mir gewirkt, weshalb ich ein wenig gespannt war navel zu sehen bzw. auch erstmals zu hören. mit amüsanten tricks schafften es doch tatsächlich mich die louisville records-meute rund um patrick wagner-superstar in eine bestimmte erwartung zu setzen, auch wenn ich die band visuell bereits abstoßend fand. im großen und ganzen wäre ich auch nicht hingegangen, hätte ich dafür bezahlen müssen, was mich auch im nachhinein darüber nachdenken ließ, warum man für so eine band 12 euro an der abendkasse verlangt.
während navel spielten, kamen mir so allerlei gedanken warum ich das hier eben miterleben muss, welche berechtigung es gibt, dass es so etwas noch gibt. ich fragte mich, welche art mensch sich heute noch damit identifizieren kann. es ist offensichtlich, dass diese band, ob nun navel oder ihre kollegen killed by 9 volt batteries etc. in ihrer musikalischen sozialisation entweder nur ein bestimmtes level erreicht haben und dort verharrten oder sie darauf zurücksprangen, da es eben mäßigen erfolg verspricht. es ist natürlich nicht ganz richtig, dies in ebenen einzuteilen, doch wenn ich mir mein leben oder das diverser freunde anschaue, dann spielen fender mustang/jazzmaster/jaguar-gitarren, scheiß-frisuren, verschlissene jeans und converse chucks tendenziell eher am anfang dieser sozialisation eine rolle, aus der, wenn man es denn will/schafft, man sich dann heraus löst und somit ebenentechnisch gesehen aufsteigt, wobei ich da jetzt auch keine klaren ebenen benennen kann. ähnliche schwierigkeiten hätte ich damit denn begriff post-rock zu definieren und genauer zu deuten.

das verharren und steckenbleiben hat in diesen speziellen fällen auch zur folge, das nicht neues kommt. da schon visuell eins zu eins kopiert wird, ist auch der musikalische faktor, der ja weitaus entscheidender ist, keineswegs innovativ. allein die beschreibung dessen bereitet kopfschmerzen, da nicht mehr dazu einfallen will, als das wort "monoton". monotonie ist entscheidend in dieser hinsicht. steht doch immernoch die frage im raum, welche berechtigung es gibt diesem genre aufmerksamkeit zu schenken. die antwort ist klar: es gibt keine. was hier kopiert wird, gilt als das meisterstück, das ultimative, eins-a-topqualität. ich gebe es zu, auch ich war überrannt und begeistert. nur geschah dies auch zehn bis zwölf jahre nach dem eigentlichen höhepunkt.
meine vermutung warum leute wie patrick wagner oder eben andere, ich spreche jetzt von älteren, sagen wir ab dreißig, auf diese bands und deren musik gerade jetzt wieder abfahren, ist dass sie sich einfach denken: "geil, wir damals! ich fühl mich gleich zehn bis zwanzig jahre jünger.", bzw.: "gute alte zeit!", oder auch: "die wissen noch wie man richtig rockt!". wär dann in der lage ist so etwas zu veröffentlich, der tut das auch, weil "das hat ja früher auch geklappt und was die machen, ist auch schon ein schritt weiter, außerdem haben die das doch verdient". Wiederum fragwürdig ist, dass eben solche leute, die einen posten besetzen oder einen beruf ausüben, der in der lage ist, musik und musiker zu entdecken, zu fördern, der dem avantgardisten, wenn es ihn noch gibt, eine bühne und publikum bieten kann, wenn dann gerade so jemand auch hängen geblieben ist, wie ich das jetzt mal formulieren möchte.
auch in der aktuellen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist ein Artikel von edo reents über die ganzen totgesagten, meist, wie ich finde, furchtbaren Gruppen, der frühen pop- und rock-musik-jahre, die sich eben in den letzten jahren wieder zusammenschloßen und tourneen spielen und teilweise neue sachen rausbringen. nur spielen die alternden rockstars nun auch vor ihrem alternden publikum, was natürlich irgendwie genauso traurig wie aufbauend ist. traurig da dies funktioniert, was daran liegt, dass das publikum an nichts neuem interessiert sind, da sie ja das alte haben. aufbauend, da es die folgenden generationen anscheinend kalt lässt. eventuell ist dies auch nur der normale lauf der dinge. da die moderne popmusik ja noch nicht einmal ein ganzes jahrhundert besteht, kann es eben sein, das bands nur dann tot sind, wenn sie und ihr publikum auch physisch das zeitliche gesegnet haben.
fehlende flexibilität ist ein stichwort um die gründe für diese treue zu erklären. ebenso das damalige fehlen einer großen palette an auswahlmöglichkeiten und der schwierige Zugang zu eben solchen Medien. da haben wir es leichter, doch können eben auch diese gründe mir nicht helfen dabei meinen zorn zu überkommen, dass eine unglaublich menge aufmerksamkeit, geld und zeit eben darin verschwendet wird totes am leben zu erhalten. sehen wir uns nur allein radiosender an, die mit ihren hits aus den siebzigern, achtzigern, neunzigern und dem besten von heute weiterhin künstler mit tantiemen füttern und neuer musik kaum platz geben.

mir fehlt schlicht und einfach das innovative. ich bin gelangweilt. und darum sind eben solche bands, wie von gestern abend fuchtbar, da sie einfach der musikalischen evolution, die es eh schon so schwierig hat, weiter steine in den weg werfen, sich auf bereits getanen dingen ausruhen und verlassen. doch kann ich sie nicht gänzlich verdammen, da sie auch nur ein teil eines riesigen übels sind und davon auch noch, der am leichtesten zu verkraftende.

1 comment:

jo. said...

navel hab ich mal september06 mit alarma man im schokoladen mehr gehört als gesehen, für unwichtig empfunden, weshalb ich da jetzt auch dem hypegedöns wagnerns irgendwie entkommen konnte..
dein problem mit erwähnten gitarren und verschlissenen jeans verstehe ich nicht ganz, aber das könnte wiederum daran liegen, dass ich das auch nie als exemplarisch für nirvana begriffen habe, bzw. andere bands für weitaus wichtiger gehalten habe und immer noch halte. oder so ähnlich.